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Lerntagebuch

Kurzbeschreibung

Lerntagebücher ermöglichen den Lernenden die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und die Reflexion des eigenen Lernprozesses in schriftlicher Form [6]. Dabei besteht bspw. die Möglichkeit, neue Seminar- und Workshopinhalte mit eigenen Erfahrungen und Problemen aus der beruflichen Praxis zu verbinden und so den Transfer des neu erworbenen Wissens in die berufliche Praxis zu erleichtern. Gegenstand der Reflexion sind neben den Lerninhalten auch die Lernmethoden, der Ablauf, eine Arbeitsrückschau sowie der persönliche Lernprozess und –fortschritt. Die Lernenden entscheiden dabei selbst, mit welchen inhaltlichen Aspekten/Schwerpunkten sie sich auseinandersetzen möchten [6]. Der Lernstoff soll so individuell strukturiert, mit vorhandenem Wissen verknüpft und Verständnisprobleme sowie positive Lernfortschritte aufgedeckt werden.

Beschreibung

Ziel des Methodeneinsatzes

Regelmäßige Lerntagebuch-Einträge unterstützen den Reflexionsprozess und dienen der Selbstoptimierung und –kontrolle [1] sowie als Erinnerungshilfe [2,3,4].

Ablauf

  1. Einführung in die Methode: Es werden die Ziele und der Ablauf der Arbeit mit dem Lerntagebuch erläutert. Dabei geht es vor allem darum, den Lehrenden die Scheu vor der schriftlichen Reflexion ihres Lernprozesses zu nehmen und zu betonen, dass das Ziel der Arbeit mit dem Lerntagebuch nicht in der rhetorischen Ausarbeitung liegt, sondern die persönliche Reflexion im Vordergrund steht. Daher ist es wichtig, dass die Lernenden selbst entscheiden können, ob und welche Inhalte sie für die Kursleitung oder andere Teilnehmende bereitstellen wollen.
  2. Zeiten für die Anfertigung der Tagebucheinträge zur Verfügung stellen: Die Zeit für das Erstellen der Tagebucheinträge sollte bei der Berechnung der Unterrichtseinheiten berücksichtigt werden. Hilfreich ist es, wenn die Einträge während des Kurses gemeinsam erledigt werden.
  3. Leit-/Reflexionsfragen als Impulse vorgeben: Leitfragen können der Anleitung des Schreibprozesses dienen, vor allem um Lernstrategien zu aktivieren. Mit zunehmender Erfahrung beim Schreiben von Lerntagebüchern können sie jedoch auch als einengend empfunden werden [6]. Leitfragen können sich auf folgende Bereiche beziehen: Strukturierung und Ausarbeitung des Gelernten, Überwachen des eigenen Verständnisses oder Planung von Maßnahmen zur Beseitigung von Verständnisschwierigkeiten.

Das Lerntagebuch kann sowohl kursbegleitend (mehrfache Einträge) als auch als Kursabschluss eingesetzt werden.

Arbeitshilfen/Vorlagen

Beispiele für Leitfragen [nach 6]:

Das Gelernte Strukturieren und ausarbeiten (Organisation und Elaboration):

  • Wie können Sie die aus Ihrer Sicht zentralen Punkte und ihre Zusammenhänge mit eigenen Worten wiedergeben?
  • Welche Beispiele fallen Ihnen ein, die das Gelernte illustrieren, bestätigen oder ihm widersprechen?

Überwachen des eigenen Verständnisses (positives und negatives Monitoring):

  • Welche wichtigen Inhalte haben Sie richtig gut verstanden?
  • Welche zentralen Inhalte haben Sie noch nicht verstanden?

Maßnahmen zur Beseitigung von Verständnisschwierigkeiten (Planung remedialer Strategien):

  • Welche Episoden in der Seminarstunde (zum Beispiel Referat einer Kommilitonin, Plenumsdiskussion, Gruppenarbeit) könnten Sie nochmals vor Ihrem inneren Auge rekapitulieren, um Verständnisschwierigkeiten aufzulösen?
  • Welche weiteren Möglichkeiten gibt es, die Ihnen helfen könnten, Ihre Verständnisschwierigkeiten zu klären (zum Beispiel nochmaliges Lesen der Seminartexte, im Internet recherchieren, Dozenten fragen et cetera)?“

Stolpersteine

  • Teilweise entwickeln Teilnehmende Bedenken gegenüber der Methode, die durch die Bezeichnung (alternativ bspw. Lernbegleitheft, Reflexionsbuch) und die Bedeutung, die dem Instrument gegeben wird beeinflusst werden können. Auch eine ansprechende optische Gestaltung wirkt sich förderlich auf die Motivation aus.
  • Bei zu geringer Anleitung und unter dem Druck einer Bewertung, kann es zur Überforderung des Lernenden kommen. [5]
  • Wenn Lerntagebücher nur privat genutzt werden, besteht die Gefahr der Fixierung von individuellen Fehleinschätzungen, der Erzeugung negativer Selbstwirksamkeitserwartungen, der negativen Beeinflussung der Motivation des Lernenden, durch Fokussierung auf Probleme im Lernprozess, oder eines Fokus auf Beschreibung und nicht auf Analyse. [5]
  • Leitfragen können der Anleitung des Schreibprozesses dienen, vor allem um Lernstrategien zu aktivieren, können aber mit zunehmender Erfahrung beim Schreiben von Lerntagebüchern auch als einengend empfunden werden. Eine wöchentliche Anleitung mit den Leitfragen wurde bspw. als Fremdsteuerung erlebt. [6]

Kursleitung als Lernbegleitung

Wenn die Lerntagebucheinträge für den Lehrenden sichtbar sind, kann die Kursleitung den Lernenden im Rahmen der Lernbegleitung Feedback zu ihrem Lernfortschritt und ggf. weiterführende Anregungen, Impulse, Motivationsanstöße o. ä. geben. Außerdem kann die Kursleitung einen Eindruck über das Verständnis der Lerninhalte und ggf. entstandene Fehlkonzepte erhalten [6].

Die Akzeptanz der Methode bei den Lernenden hängt auch davon ab, wie die Kursleitung die Arbeit mit dem Lerntagebuch einführt und welche Bedeutung sie ihm im Lernprozess gibt. Teilweise kann auch eine alternative Bezeichnung des Lerntagebuchs (z. B. Lernbegleitheft, Reflexionsbuch, …) Widerstände bei den Lernenden abbauen [2].

Bezug zur Selbststeuerung

Das Lerntagebuch ist ein geeignetes Begleitinstrument für das selbstgesteuerte Lernen und regt die Lernenden an, den eigenen Lernprozess zu reflektieren, das Erreichen der eigenen Lernziele zu überprüfen und ggf. das eigene Lernverhalten anzupassen. Die Arbeit mit dem Lerntagebuch sollte daher in allen Dimensionen Entscheidungsfreiheiten ermöglichen (siehe unten stehende Tabelle).

Durch die Vorgabe von Leitfragen, können sich die Lernenden in der inhaltlichen Ausgestaltung des Lerntagebuchs eingeschränkt fühlen. Der Einsatz von Leitfragen sollte daher den Erfahrungen der Lernenden im Umgang mit der Methode angepasst werden.

Für einige Zielgruppen kann vor allem die kreative Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernprozess motivierend wirken. Bei der Gestaltung des Lerntagebuches sollten die Teilnehmenden daher nicht nur zur Produktion von Text angeregt werden, sondern eine Auswahl unterschiedlicher medialer Darstellungsvarianten vorgeschlagen werden.

Quellen

  1. Apel, H. (2003). Onlinejournal – Lernreflexionen online. In: MedienPädagogik. http://www.medienpaed.com/globalassets/medienpaed/7/apel0309.pdf [letzter Zugriff: 27.06.2016].
  2. Klein, R. (2005). Argumente und Empfehlungen für prozessbegleitende Lernberatung – aus der Praxis für die Praxis. In: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V. & Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (Hrsg.): Prozessbegleitende Lernberatung. Konzeption und Konzepte. QUEM-Report. Schriften zur beruflichen Weiterbildung. 90. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Qualifikations-Entwicklungs-Management, S. 150–178.
  3. Wenzig, A. (2005). Prozessbegleitende Lernberatung zwischen Konzeption und kontextspezifischen Konzepten. In: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V. & Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (Hrsg.): Prozessbegleitende Lernberatung. Konzeption und Konzepte. QUEM-Report. Schriften zur beruflichen Weiterbildung. 90. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Qualifikations-Entwicklungs-Management, S. 133–149.
  4. Reutter, G., Ambos, I. & Klein, R. (2007). Neue Lernkonzepte. Selbstorganisiertes Lernen auf dem Prüfstand. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung.
  5. Löser, A. P. (2008). Die reflexive Selbstevaluation als Teil der Lernhandlung in der beruflichen Weiterbildung. Eine literaturanalytische Explikation. Bielefeld: Univ., Fak. für Pädagogik.
  6. Nückles, M. & Renkl, A. (2009). Selbstgesteuertes Lernen durch Schreiben. Lerntagebücher in der Aus- und Weiterbildung. In: Weiterbildung. (5), S. 22–25.

Rahmenbedingungen

Dimen­­sionen Selbst­­ge­­steuert Fremd­­ge­­steuert
Lern­­ziele
Lern­­inhalte
Lern­­zeiten
Lern­­ort
Lern­­erfolgs­­prüfung
Lern­­material
Lern­­partner

Gruppengröße

1-56-1011-16 17-3031-60mehr als 60

Benötigte Zeit

Kurzimpuls (bis 15min)ca. 1 UE

Unterstützung der Lernphase

Durchführung

Digitale Werkzeuge zur Umsetzung der Methode

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.
Urheber: Projekt Weiterbildung selbstorganisiert

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