Jana Riedel/ , , , , , , , , , , , , , / 0Kommentare


Lerntagebuch

Kurzbeschreibung

Lerntagebücher ermöglichen den Lernenden die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und die Reflexion des eigenen Lernprozesses in schriftlicher Form [6]. Dabei besteht bspw. die Möglichkeit, neue Seminar- und Workshopinhalte mit eigenen Erfahrungen und Problemen aus der beruflichen Praxis zu verbinden und so den Transfer des neu erworbenen Wissens in die berufliche Praxis zu erleichtern. Gegenstand der Reflexion sind neben den Lerninhalten auch die Lernmethoden, der Ablauf, eine Arbeitsrückschau sowie der persönliche Lernprozess und –fortschritt. Die Lernenden entscheiden dabei selbst, mit welchen inhaltlichen Aspekten/Schwerpunkten sie sich auseinandersetzen möchten [6]. Der Lernstoff soll so individuell strukturiert, mit vorhandenem Wissen verknüpft und Verständnisprobleme sowie positive Lernfortschritte aufgedeckt werden.

Beschreibung

Ziel des Methodeneinsatzes

Regelmäßige Lerntagebuch-Einträge unterstützen den Reflexionsprozess und dienen der Selbstoptimierung und –kontrolle [1] sowie als Erinnerungshilfe [2,3,4].

Ablauf

  1. Einführung in die Methode:
    • Ziele und Ablauf erklären
    • Angst nehmen (Ziel ist nicht die rhetorische Ausarbeitung, sondern die private Reflexion)
    • Teilnehmende sollen selbst entscheiden, ob und welche Inhalte sie für Lehrperson oder andere Teilnehmende bereit stellen wollen
  2. Zeiten für die Anfertigung der Tagebucheinträge zur Verfügung stellen
  3. Ggf. Leit-/Reflexionsfragen vorgeben als Impulse (siehe Stolpersteine)
  4. Sowohl kursbegleitend (mehrfache Einträge) als auch als Abschluss einsetzbar

Arbeitshilfen/Vorlagen

Beispiele für Leitfragen [nach 6]:

Das Gelernte Strukturieren und ausarbeiten (Organisation und Elaboration):

  • Wie können Sie die aus Ihrer Sicht zentralen Punkte und ihre Zusammenhänge mit eigenen Worten wiedergeben?
  • Welche Beispiele fallen Ihnen ein, die das Gelernte illustrieren, bestätigen oder ihm widersprechen?

Überwachen des eigenen Verständnisses (positives und negatives Monitoring):

  • Welche wichtigen Inhalte haben Sie richtig gut verstanden?
  • Welche zentralen Inhalte haben Sie noch nicht verstanden?

Maßnahmen zur Beseitigung von Verständnisschwierigkeiten (Planung remedialer Strategien):

  • Welche Episoden in der Seminarstunde (zum Beispiel Referat einer Kommilitonin, Plenumsdiskussion, Gruppenarbeit) könnten Sie nochmals vor Ihrem inneren Auge rekapitulieren, um Verständnisschwierigkeiten aufzulösen?
  • Welche weiteren Möglichkeiten gibt es, die Ihnen helfen könnten, Ihre Verständnisschwierigkeiten zu klären (zum Beispiel nochmaliges Lesen der Seminartexte, im Internet recherchieren, Dozenten fragen et cetera)?“

Stolpersteine

  • Teilweise entwickeln Teilnehmende Bedenken gegenüber der Methode, die durch die Bezeichnung (alternativ bspw. Lernbegleitheft, Reflexionsbuch) und die Bedeutung, die dem Instrument gegeben wird beeinflusst werden können. Auch eine ansprechende optische Gestaltung wirkt sich förderlich auf die Motivation aus.
  • Bei zu geringer Anleitung und unter dem Druck einer Bewertung, kann es zur Überforderung des Lernenden kommen. [5]
  • Wenn Lerntagebücher nur privat genutzt werden, besteht die Gefahr der Fixierung von individuellen Fehleinschätzungen, der Erzeugung negativer Selbstwirksamkeitserwartungen, der negativen Beeinflussung der Motivation des Lernenden, durch Fokussierung auf Probleme im Lernprozess, oder eines Fokus auf Beschreibung und nicht auf Analyse. [5]
  • Leitfragen können der Anleitung des Schreibprozesses dienen, vor allem um Lernstrategien zu aktivieren, können aber mit zunehmender Erfahrung beim Schreiben von Lerntagebüchern auch als einengend empfunden werden. Eine wöchentliche Anleitung mit den Leitfragen wurde bspw. als Fremdsteuerung erlebt. [6]

Rolle des Lehrenden

Wenn die Lerntagebucheinträge für den Lehrenden sichtbar sind:

  • Der Lehrende ist Lernbegleiter und kann den Lernenden Feedback zu ihrem Lernfortschritt und ggf. weiterführende Anregungen, Impulse, Motivationsanstöße o. ä. geben.
  • Können Lehrende Rückmeldungen über das Verständnis der Lerninhalte und ggf. entstandene Fehlkonzepte erhalten [6].

Quellen

  1. Apel, H. (2003). Onlinejournal – Lernreflexionen online. In: MedienPädagogik. http://www.medienpaed.com/globalassets/medienpaed/7/apel0309.pdf [letzter Zugriff: 27.06.2016].
  2. Klein, R. (2005). Argumente und Empfehlungen für prozessbegleitende Lernberatung – aus der Praxis für die Praxis. In: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V. & Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (Hrsg.): Prozessbegleitende Lernberatung. Konzeption und Konzepte. QUEM-Report. Schriften zur beruflichen Weiterbildung. 90. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Qualifikations-Entwicklungs-Management, S. 150–178.
  3. Wenzig, A. (2005). Prozessbegleitende Lernberatung zwischen Konzeption und kontextspezifischen Konzepten. In: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V. & Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (Hrsg.): Prozessbegleitende Lernberatung. Konzeption und Konzepte. QUEM-Report. Schriften zur beruflichen Weiterbildung. 90. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Qualifikations-Entwicklungs-Management, S. 133–149.
  4. Reutter, G., Ambos, I. & Klein, R. (2007). Neue Lernkonzepte. Selbstorganisiertes Lernen auf dem Prüfstand. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung.
  5. Löser, A. P. (2008). Die reflexive Selbstevaluation als Teil der Lernhandlung in der beruflichen Weiterbildung. Eine literaturanalytische Explikation. Bielefeld: Univ., Fak. für Pädagogik.
  6. Nückles, M. & Renkl, A. (2009). Selbstgesteuertes Lernen durch Schreiben. Lerntagebücher in der Aus- und Weiterbildung. In: Weiterbildung. (5), S. 22–25.

Rahmenbedingungen

Dimen­­sionen Selbst­­ge­­steuert Fremd­­ge­­steuert
Lern­­ziele
Lern­­inhalte
Lern­­zeiten
Lern­­ort
Lern­­erfolgs­­prüfung
Lern­­material
Lern­­partner

Gruppengröße

1-56-1011-16 17-3031-60mehr als 60

Benötigte Zeit

Kurzimpuls (bis 15min)ca. 1 UE

Unterstützung der Lernphase

Durchführung

Digitale Werkzeuge zur Umsetzung der Methode

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.
Urheber: Projekt Weiterbildung selbstorganisiert

Ähnliche Einträge

Share this Post

Hinterlasse eine Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.