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Lautes Denken

Kurzbeschreibung

Eine Lernerin bzw. ein Lerner beschreibt den Ablauf einer Handlung und kommentiert diese mit den eigenen Gedanken und Empfindungen. Diese Kommentare können aufgezeichnet oder von einem Lernpartner schriftlich fixiert werden. Die Beschreibung des eigenen Handelns regt den Lernenden an, sein Tun bewusster zu durchdenken und zu verstehen [3] und somit den Sachverhalt in den eigenen Denkstrukturen zu verankern und sich (Fach-)Begriffe anzueignen [2]. Die Methode wird auch als wissenschaftliche Datenerhebungsmethode eingesetzt, bspw. in psychologischen Tests oder für die Evaluation und Usabilty-Tests von Softwareprodukten.

Beschreibung

Ziel des Methodeneinsatzes

Als Variante zum Lerntagebuch sollen über die Verbalisierung von eigenen Gedanken und Empfindungen beim Ausführen eine (Lern-)Handlung Reflexionsprozesse unterstützt werden. In der Regel können so vor allem Übungen und Tätigkeiten wie bspw. die Durchführung von Versuchsexperimenten begleitet werden, wodurch das eigene Handeln bewusster erlebt wird [2]. Die Methode wird gemeinsam mit einem Lernpartner durchgeführt, der die Gedanken schriftlich protokollieren kann oder mit Fragen zur Reflexion anregen kann [1]. Die Methode eignet sich daher für unerfahrene Lernende oder Lernende, die sich dem Lerntagebuch verweigern [1].

Ablauf

  1. Beobachtungs-/Handlungsphase:
    Die Teilnehmenden führen eine Handlung aus oder beobachten diese und verbalisieren ihre Absichten, Gedankengänge, Probleme, Beobachtungen und Empfindungen [4, S. 4]. So können bspw. typische Arbeitsabläufe, Versuchsexperimente, Verhalten in Rollenspielen o. ä. durch diese Methode begleitet werden. Das eigene Handeln wird durch die Verbalisierung bewusster erlebt [2]. Dabei können vor allem auch die Anwendung von Fachbegriffen trainiert und beobachtet werden [3] oder eigene Lern- und Denkstrategien reflektiert werden. Die Methode hilft, vage Vorstellungen zu konkretisieren und zu präzisieren.
    Da das Laute Denken für die Lernenden eher ungewohnt und unnatürlich ist, können sie durch aktives Zuhören eines Lernpartners unterstützt werden.
  2. Abstraktions-/Reflexionsphase:
    Die Teilnehmenden überlegen, welche (fachlichen) Begründungen, sie für diese Beobachtungen und Empfindungen geben können. Ein Lernpartner kann durch Nachfragen dazu beitragen, dass der Lernende nicht nur von seinem Standort aus reflektiert [1]. Alternativ kann eine fachliche Begründung/Erklärung auch durch die Lehrperson gegeben werden [2].
  3. Ggf. Wiederholung:
    Wenn es um die korrekte Anwendung von Fachbegriffen geht, kann die Handlung unter Verwendung der Fachbegriffe wiederholt werden.

Arbeitshilfen und Vorlagen

Als Interviewpartner ist es wichtig, dem Interviewten Interesse zu signalisieren und mögliche Missverständnisse/Unklarheiten zu beseitigen. Dies kann durch folgende Aussagen unterstützt werden:

  • Zuhören/Interesse versichern („Mhm, ja, sehr interessant, …“)
  • Nachfragen („Verstehe ich nicht … Mir ist unklar, … Können Sie das näher erläutern …“)
  • Inhaltliche Zustimmung („Genau, eben, stimmt, sicher …“)
  • Verständnis zeigen („Das glaube ich, kann ich verstehen …“)
  • Gedanken und Sinneswahrnehmungen mitteilen („Ich habe verstanden, dass sie … Dann habe ich mich gefragt, ob vielleicht …“) [4, S. 6]

Stolpersteine

Das laute Denken ist eine eher unnatürliche Situation, da die wenigsten Menschen im Alltag die ganze Zeit ihr Tun kommentieren, weshalb es anfänglich unangenehm sein kann [5]. Hier können Fragen helfen wie: Warum hast du so empfunden/das so und so gemacht? Wie hast du das gemacht? Wie ging es dir dabei? Was hast du dir dabei gedacht? Was war schwierig/ist dir leicht gefallen?

Kursleitung als Lernbegleitung und Lernberatung

Die Kursleitung beobachtet die Handlungsausführungen und kann Hinweise geben. Ebenso kann sie durch gezieltes Nachfragen weitere Reflexionsprozesse anregen.
Die Methode kann gerade im Rahmen einer Lernberatung eingesetzt werden, um die Reflexion vorhandener Lernstrategien zu unterstützen.

Bezug zur Selbststeuerung

Die Methode kann von den Lernenden jederzeit selbstständig eingesetzt werden, um das eigene Lernen zu unterstützen. Aus diesem Grund können die Lernenden selbst entscheiden, in welchen Situationen, für welche Inhalte und mit welchem Ziel (z. B. Reflexion eigener Verhaltensweisen, Verbalisieren von Arbeitsschritten, Anwenden von Fachbegriffen, Reflexion des eigenen Lernprozesses) sie die Methode anwenden werden und ob sie das Laute Denken bspw. aufzeichnen oder durch einen Lernpartner ihrer Wahl protokollieren lassen. Alternativ kann der Einsatz der Methode auch angeleitet durch die Kursleitung erfolgen (siehe unten stehende Tabelle).

Ähnlich wie das Lerntagebuch soll diese Methode den Reflexionsprozess der Lernenden unterstützen und eignet sich ggf. auch dann, wenn es unter den Lernenden Vorbehalte gegenüber dem Führen von Lerntagebüchern gibt ([1], S. 256).

Quellen

  1. Löser, A. P. (2008). Die reflexive Selbstevaluation als Teil der Lernhandlung in der beruflichen Weiterbildung. Eine literaturanalytische Explikation. Bielefeld: Univ., Fak. für Pädagogik.
  2. Switalla, B. (o. J.). Lautes Denken. http://www.didaktisches-coaching.de/lautesdenken.html [letzter Zugriff: 06.03.2017].
  3. Sinus Naturwissenschaften Hessen (2007). Lautes Denken. http://www.xn--studel-cua.de/schriften_LS/203%20SINUS_NWA_Lautes_Denken.pdf [letzter Zugriff: 06.03.2017].
  4. Frommann, U. (2005). Die Methode „Lautes Denken“. https://www.e-teaching.org/didaktik/qualitaet/usability/Lautes%20Denken_e-teaching_org.pdf [letzter Zugriff: 08.03.2017].
  5. Weise, I. (2012). Lautes Denken leicht gemacht. https://www.d-labs.com/journal/lautes_denken_leicht_gemacht.html [letzter Zugriff: 08.03.2017].

Rahmenbedingungen

Dimen­­sionen Selbst­­ge­­steuert Fremd­­ge­­steuert
Lern­­ziele
Lern­­inhalte
Lern­­zeiten
Lern­­ort
Lern­­erfolgs­­prüfung
Lern­­material
Lern­­partner

Gruppengröße

1-5

Unterstützung der Lernphase

Kontrolle
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